Noesora
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Worte
Fotografieren bedeutet den Kopf, das Auge und das Herz auf dieselbe Visierlinie zu bringen. Es ist eine Art zu leben.

--- Henri Cartier-Bresson

In den Bildern der Fotografin R.F. regt sich ein besonderer Sinn für die Wirklichkeit, insbesondere in seiner Erscheinung des Porträts. Ihre Aufnahmen zeugen von einem tiefen und leidenschaftlichen Interesse am Menschen. Im Alltagsleben oder auf Reisen begann sie sich früh für Menschen dort zu interessieren, wo das gewöhnliche Leben der Physiognomie des Einzelnen seinen unverwechselbaren Ausdruck verleiht. Viele dieser Aufnahmen, etwa jene auf einer Reise durch Burkina Faso entstandenen Bilder, offenbaren zudem eine tiefe Verbundenheit mit der großen Welt der Kindheit. Aufnahmen von Kindern, die sich beim ausgelassenen Spiel im Wasser die Zeit vertreiben oder beim Zusammensein mit Freunden Nähe und Geborgenheit suchen, werden zu einem Abbild der Kindheit und Jugend in all seiner Offenheit und Unbestimmtheit. Mit wachem Blick und Gespür für die Zwischentöne erkundet sie im scheinbar Nebensächlichen des Alltags die stillen Momente, wo Glück und Geborgenheit, Freude und Verwunderung, aber auch Verletzlichkeit und Ernst zu finden sind. Stets schafft sie mit ihren Bildern Porträts von eindringlich zärtlicher Vitalität, die ihrem visuellen Verständnis für die Schönheit, die sich in Habitus, Gestik und Mimik der Menschen ausdrückt, Gestalt gibt. Einfühlsam und respektvoll beschreibt sie die Menschen und deren emotionale und soziale Beziehungen untereinander.

Mit Sensibilität und intuitivem Blick für das Wesen der Porträtierten nähert sich F. der individuellen Persönlichkeit. In vielen Fällen, so auch der Porträtserie "Frauen", nimmt die Fotografin ihre Bilder von einem sichtbaren Standpunkt aus auf, sucht den unmittelbaren Dialog mit dem Gegenüber. Die Porträtierten sind sich der Anwesenheit der Fotografin somit wohl bewusst. Den Begegnungen mit den Menschen ist dabei stets ein hohes Maß an Natürlichkeit eigen. Es steht den Menschen frei, sich zu zeigen, wie sie sind. Sie führen sich vor, lachen über sich selbst, sind fröhlich und stolz, mitunter auch scheu und verhalten. Im Zusammentreffen mit dem Gegenüber sucht die Fotografin wie in einem Spiegel das Vertraute wieder zu finden, schafft eine Nähe, die durch Distanz vermittelt.
v Der Fotoapparat der Fotografin wird aber auch zum Instrument der Selbsterfahrung und Selbstwahrnehmung. Die fragmentarischen Darstelllungen einzelner Partien ihres Körpers und der Physiognomie mit all ihren psychischen Implikationen setzen in Form eines mehrteiligen Tableau die Befragung und Erkundung der eigenen Person als Gedanken ins Bild.

Die Idee des Spiels prägt in anderen Sequenzen den fotografischen Ansatz. So etwa wenn die Fotografin mit humorvollem Blick auf ihre Füße sich dem Thema Porträt in heiterer Form annimmt und durch das Moment der Verkleidung und Verwandlung ein belustigendes Kaleidoskop menschlicher Ausdrucksformen entstehen lässt.



--- Andrea Fischer



Rachel Faivre, auch Noe Sora genannt, benutzt zwei Wege zum Porträt. Im Ersten sehen wir im Bild, was wir darin finden wollen. Im Zweiten sehen wir was die abgebildet Person von ihr offenbaren will.

Wenn Rachel Faivre eine Landschaft oder eine Stadt abbildet, interessiert sie sich für den Roman der daraus folgen könnte. Sie gibt uns Lust die Leute die sich in den Häusern verstecken, kennen zu lernen oder das Leben eines herumstreifenden Hundes oder das Leben dieses Zettelanklebers.

In ihren Bildern glänzt die Menschheit durch ihre scheinbare Abwesenheit.

„Die Freiheit ist die Möglichkeit zu sein aber nicht die Pflicht zu sein“ sagte Magritte.

Rachel Faivre scheint ihre eigene Freiheit durch ihre Bilder zu finden und, in der kurzen Zeit des Modellstehens, schenkt sie auch ihren Modellen diese Freiheit.



--- Patrick Loréa
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